Tricks & Tipps
26.01.2017

Interview: Personal Trainerin Daphne über gute Vorsätze

Seid ihr auch mit guten Vorsätzen ins neue Jahr gestartet? Und viel wichtiger: habt ihr bis jetzt durchgehalten? Ein Interview mit Personal Trainerin Daphne über gute Vorsätze und realistische Ziele.

Knapp vier Wochen ist es her, da steckten sich viele von uns hohe Ziele: Der Jahreswechsel ist wohl der beliebteste Zeitpunkt für gute Vorsätze. „Mehr Sport“ ist einer davon. Mit Personal Trainerin Daphne von Your Coach. Bonn haben wir über gute Vorsätze, die Formulierung und Umsetzung von Zielen und die zentrale Rolle eines bzw. des richtigen Coaches gesprochen. 

 

 

Hi Daphne, schön, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Erzähl doch mal kurz, wer du bist.

 

Ich freue mich auch. Ich arbeite in Bonn als Personal Trainerin und habe Ernährungswissenschaften studiert. Sport war immer ein sehr wichtiger Teil von mir und irgendwann bin ich dann irgendwie in den Bereich Personal Training „reingerutscht“. Alles, was ich meinen Kunden vermittle, habe ich als Sportlerin selbst erlebt oder durchlebt. Diese eigenen Erfahrungen helfen mir oft bei meiner Arbeit.

 

 

Unser Interview-Thema ist ja „gute Vorsätze“. Hast du dir für dieses Jahr etwas vorgenommen?

 

Mehr auf meinen eigenen Körper hören. Das letzte Jahr war ziemlich viel. Mehr ruhen. 

 

 

Heißt zum Beispiel auch weniger arbeiten?

 

Ja, auch. Obwohl ich meine Arbeit eigentlich nicht als Belastung empfinde. Sport ist einfach ein wichtiger Teil in meinem Leben. Aber es geht um die berühmte „Me-Time“, bewusster Pausen einlegen und Stress vorbeugen. Am Sonntag arbeite ich zum Beispiel nicht mehr.

 

 

Du hast deinen guten Vorsatz also direkt umgesetzt?

 

Ja, genau. Ich versuche es jeden Tag aber aufs Neue. Sonst rutscht man bzw. rutsche ich schnell wieder zurück zum „Zu viel“.

 

 

Gute Vorsätze sind ja etwas Typisches zum Jahresanfang. Merkst du den bei deiner Arbeit gerade? Kommen mehr Leute mit „guten Vorsätzen“ zu dir?

 

Ja, ein wenig merke ich das. Und es ist schön, dass das so ist und viele das neue Jahr als Gelegenheit erkennen, etwas, das sie stört, zu ändern. Problematisch finde ich dabei die Stringenz und das Durchhaltevermögen. Bezogen auf das Training bedeutet das: Nur etwas, was man langfristig angeht, halte ich für sinnvoll. Ich finde es bewundernswert, wenn Leute etwas lange durchhalten. Menschen, die sich über Jahre hinweg körperlich betätigen und trainieren, sind die wahren Helden. Sechs Monate Vollgas zu geben empfinde ich als nicht unbedingt schwierig im Vergleich zu vier Jahren Vollgas.

 

Sich  vorzunehmen in sechs Monaten ganz viel und schnell abzunehmen, finde ich bei stark Übergewichtigen zum Beispiel als nicht sinnvoll.Radikaldiäten funktionieren zwar, sind aber nicht normal sondern unrealistisch und gehen langfristig meistens in die Gegenrichtung, also Gewichtszunahme. Diese Leute brauchen Unterstützung in Form von Personal Trainern und Experten für den Bereich „Gesundheit“. 

 

 

Das heißt, diese Kurzfristigkeit ist auch ein Grund, warum viele Vorsätze schnell wieder scheitern?

 

Ja, das und eine unrealistische Zielsetzung. Viele Leute versuchen sich selbst einen Trainingsplan zu erstellen, oft basierend auf Halbwissen, und stecken sich dabei kaum zu erreichende Ziele. Ich halte Coaches bzw. Experten für nützlich und sinnvoll. Viele Trainierende im Studio trainieren falsch und vor  allem sehr ineffizient. Einfach weil sie es nicht besser wissen. Ist auch nicht schlimm, aber glaubt mir: das, was viele Leute in 1,5 Stunden Training an Energie verbrennen, verpufft bei mir im 1:1 Training in 30 Minuten. Die Wette würde ich fast eingehen. Wenn meine Elektroleitung kaputt geht, rufe ich ja auch einen Techniker an, und versuche sie nicht mit Hilfe von irgendwelchen Tutorials selbst zu reparieren. Ja, ok, vielleicht nicht das beste Beispiel, aber den Sinn wird deutlich. 

 

Wir Trainer haben gelernt, die Übungsabfolge, das Trainingsgewicht, die Zyklisierung usw. perfekt auf die Ziele und den körperlichen Status abzustimmen. Willst du Gewicht reduzieren oder Muskeln aufbauen, musst du beim Training bluten - jedes Mal. 

 

Die Frage ist doch: Schaffst du es alleine oder nicht? Wenn nicht, spar ein bisschen Geld und gönn dir einen Personal Trainer.

 

 

Coaches helfen also dabei realistische Ziele zu setzen. 

 

Genau. Und sie geben den oft nötigen Arschtritt und nehmen dir die Entscheidung ab, was heute trainiert wird. Wir machen das, was ich mir überlegt habe, um dein Ziel zu erreichen. Viele sitzen den ganzen Tag im Büro und müssen viel Denken, dann sollen sie doch bitte beim Training nicht auch noch Denken müssen. Abladen. „Genießen“. 

 

Vorsätze, vor allem sportliche, in Eigenregie durchzusetzen, ist schwierig. Wenn Training zu Hause so einfach wäre, dann hätten wir das Problem nicht, das wir haben. Und Training gehört auch gar nicht unbedingt nach Hause. Zu Hause ist gemütlich. Zu Hause ist Entspannung. 

 

Wie ich schon sagte: Coaches sind nützlich. Ich hole meine Kunden immer genau da ab, wo sie sich gerade befinden und steigere ihr Wohlgefühl. Ich helfe dabei realistische und vor allem sinnvolle Ziele zu definieren: Gewichtsreduktion und/oder Muskelaufbau? Wofür tue ich das alles? Gibt es vielleicht auch gesundheitliche Gründe, die eine Rolle spielen? Gleichzeitig helfen Coaches auch, die Dinge, die mit ihrem Körper passieren und die für viele Trainierende neu sind, richtig zu deuten, z. B. dass ein starker Muskelkater nach ner miesen Brust-Trainingseinheit sich auch mal wie ein Herzinfarkt anfühlen kann.

 

 

Also ist die Beauftragung eines Coaches eigentlich auch dein ultimativer Tipp, um Vorsätze länger bzw. überhaupt durchzuhalten?

 

Ja, genau. Und das nicht, weil ich meine Cupcakes damit verdiene. Eine realistische und sinnvolle Zielsetzung mit einem Coach erarbeiten. Es gibt für jedes Ziel den richtigen Coach, das ist etwas sehr individuelles. Vertrauen spielt dabei eine sehr große Rolle.

 

 

Viele haben bei ihren guten Vorsätzen das Gefühl (dauerhaft) auf etwas verzichten zu müssen. Wie stehst du zum Thema „Cheat Days“?

 

Es kommt natürlich auf das Ziel drauf an. Disziplin ist wichtig, z. B. wenn es um die Gesundheit geht. Der „Cheat Day“ im ursprünglichen Sinne ist aber nicht nur ok, sondern der Körper braucht diesen Tag. Wenn man auf Kohlenhydrate verzichtet, füllt der Körper am Cheat Day die Reserven wieder auf. Der Stoffwechsel wird wieder hochgefahren, es gibt einen Energieschub und danach ist man wieder effizienter. Würde man dauerhaft auf Kohlenhydrate verzichten, würde sich die Regeneration nach einer Sporteinheit verzögern oder man wäre ständig müde. Unerfahrene können diese Anzeichen dann oft nur mit einem Coach richtig deuten oder kommen nie an diesen Punkt.

 

 

Vielen fehlt morgens schon die Motivation aufzustehen. Hast du zum Abschluss vielleicht noch einen Tipp, wie man motiviert in den Tag startet? Was hilft dir?

 

(lacht) Aufstehen ist das Schlimmste für mich.

 

 

Das beruhigt mich zu hören. Hast du dennoch einen Tipp?

 

Das geht vielleicht eher in eine „spirituelle“ Richtung: Wertschätzung der Dinge, die man hat. Dass man Freunde hat, gesund und glücklich ist. Vielleicht schon einmal im Kopf den Tag planen und sich schöne Dinge vornehmen. Man sollte keine zu großen Erwartungen an den Tag haben und es sich erlauben, Aufstehen einfach scheiße zu finden. Es geht um Akzeptanz.

 

 

Ich kann ja morgens zum Beispiel keinen Sport machen.

 

Ich auch nicht. Meine Prime-time ist so zwischen 18-20 Uhr. Sport am Morgen kann viel Druck aufbauen, verbunden mit einem hohen Anspruch an sich selbst. Und um so enttäuschter ist man, wenn man es nicht aus dem Bett direkt zum Sport schafft. Dabei finde ich jeden ehrlicherweise etwas unheimlich, der morgens um 7 mit mir trainiert. Mir geht es, wie gesagt, vor allem um Wertschätzung und Akzeptanz. Das ist aber meine ganz persönliche Meinung.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Daphne!

Autor
Vapiano-Redaktion

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