Lifestyle
18.09.2018

Genussdialekt: Brötchen, Schrippe oder Semmel?

Brötchen, Schrippe oder Semmel? Manche Lebensmittel haben je nach Region unterschiedliche Bezeichnungen und denen gehen wir in unserer neuen Genussdialekt-Serie auf den Grund.



Jede Region in Deutschland hat ihre eigene Kultur und zum Teil ihre ganz eigene Sprache. Das kann manchmal etwas verwirrend sein, ist zumeist aber sehr unterhaltsam – besonders bei Lebensmitteln. In unserer neuen Genussdialekt-Serie schauen wir uns genauer an, welche Ausdrücke für ein und dasselbe Lebensmittel gebräuchlich sind. Heute: das Brötchen.

 

 

Brötchen: die gängigste Bezeichnung in Deutschland

Wir alle wissen: Die erste Mahlzeit am Tag ist enorm wichtig. Und ohne das Brötchen, der von uns so geliebten kleinen runden Backware aus Weizenmehl, und natürlich Kaffee ist ein Frühstück kein echtes Frühstück. Der Begriff „Brötchen“, abgeleitet von „Brot“, ist in Deutschland am weitesten verbreitet. Die meisten Menschen hierzulande, vor allem in Nord- und Mitteldeutschland, wissen etwas damit anzufangen – vorwiegend in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen, aber auch im nördlichen Teil von Rheinland-Pfalz und in manchen Regionen Hessens.

Schrippe: hauptsächlich ein Berliner Phänomen

Anders sieht es in Berlin und im Norden Brandenburgs aus. Wer dort Brötchen beim Bäcker bestellt, offenbart, dass er nicht aus der Region stammt. Hier ist die Bezeichnung „Schrippe“ gängig. Das Wort ist auf das frühneuhochdeutsche Verb „schripfen“ zurückzuführen, was so viel wie „kratzen“ oder „aufkratzen“ bedeutet. Gemeint ist damit die oftmals typische Einkerbung auf der Oberseite des Gebäcks. Auch andernorts begegnet man vereinzelt den Schrippen, beispielsweise in Hamburg.

Semmel: im Süden beheimatet

Vorwiegend im Süden und teilweise im Südosten bzw. Osten Deutschlands bedient man sich einer anderen Bezeichnung: Hier heißt das Brötchen Semmel – etwa in Bayern sowie teilweise in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Der Ausdruck stammt von dem lateinischen Begriff „simila“ für „fein gemahlenes Weizenmehl“.

Weck: der Südwesten lässt grüßen

Jetzt wird es so richtig kompliziert! Im Südwesten Deutschlands, also in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, sind je nach Dialekt gleich mehrere ähnliche Begriffe für Brötchen im Umlauf – und zwar Weck, Weckle, Weckli und Weckerl. Der Wortstamm „Weck“ geht dabei auf den althochdeutschen Begriff „wecki“ für „Keil“ (auf der Brötchenoberfläche) zurück – von der Herleitung vergleichbar mit der „Schrippe“.

Mutschli: mit Schweizer Empfehlungen

Eine besonders niedliche Bezeichnung, der man wegen der Nähe zur Schweiz hin und wieder im südlichen Teil Baden-Württembergs begegnet, ist „Mutschli“ oder auch „Mütschli“. Damit können nicht nur Brötchen im klassischen Sinne, sondern auch ein Laib Brot oder süßeres Gebäck gemeint sein. In der Schweiz steht Mutschli allerdings ebenso für einen Halbhartkäse – ebenfalls lecker!

Autor
VAPIANO

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